"Peter ärgert mich schon wieder!" "Mia lässt mich wieder nicht mitspielen!" ständiger Streit unter Geschwistern kann ungemein an den Nerven der Eltern zerren. Welche Eltern kennen das nicht und Fragen sich wie vorgehen und wie solche Streitigkeiten verhindern. Ein Trost bei all dem Gerangel: Geschwister bieten sich gegenseitig ein verdichtetes Erfahrungsfeld und sind sich in gewisser Weise ganz praktisch soziales Forschungs- und Erprobungslabor füreinander. Mit seinem neuen Buch möchte der Diplomsozialpädagoge und Psychotherapeut Joachim Armbrust Eltern helfen diese Situationen zu meistern.
Ein ganzes Repertoire an taktischen Verhaltensweisen steht den Geschwistern zur Verfügung, das sie miteinander und gegeneinander erproben können. Einige davon seien hier benannt: sich schätzen lernen, sich neugierig einlassen auf den anderen, auf der Hut sein, für andere da sein, den anderen verstehen, für die Geschwister mitdenken, die Geschwister ins eigene Denken einplanen, fürsorglich sein,mitfühlen, gemein sein, in die Unklarheit flüchten, sich einem Konflikt stellen, das liebe Kind spielen, andere einschüchtern, das Baby spielen, den Bedauernswerten spielen, sich die Schuld zuschreiben, um ethisch/moralisch zu gewinnen, Fehler zugeben, anderen die Schuld zuschreiben und sich zum Opfer machen, den Anderen zum Stöhrenfried erklären, den anderen bewundern (um an seiner Macht teilzuhaben), Zwietracht säen, seinen Charme ausspielen, sich unterstützen, verständig und vernünftig sein.
Und am Ende profitieren sie alle von diesen gemeinsamen Experimenten, die die Eltern die Nerven kosten und entwickeln das was man soziale Kompetenz nennt.
Kapitelauszug: Geschwisterlernwerkstatt - ein soziales Forschungs- und Erprobungslabor - die Chance eines verdichteten Erfahrungsfeldes
Streit unter Geschwister? Prima (Wachstums-)Klima im Geschwisterkreis Was Geschwisterkinder immer schon wissen, wird von der Wissenschaft neu entdeckt. Der sich heimlich abzeichnende Trend: Es ist Zeit für Geschwisterkinder. Geschwisterkinder sind sich Wachstumsförderer und Bildungsbeschleuniger. Sie lotsen und steuern sich gegenseitig durch die Höhen und (Un-)Tiefen des Lebens und erwerben spielend miteinander das, was die Wirtschaft dringend benötigt: Schlüsselkompetenzen und Lebenskompetenzstrategien. Im Geschwisterkreis darf man sich mit allen Facetten zumuten und kann sich trotzdem aufgehoben fühlen. Ihr Kind hat noch keine Geschwister? Dann aber los. Nachweislich bilden Geschwisterkinder eine Art natürliches Forschungs - und Erprobungslabor füreinander. Die Geschwisterlernwerkstatt (da braut sich was zusammen, da köchelt was auf kleiner Flamme, da trägt sich etwas aus, da findet etwas Form usw.) ist ein Versuchs- und Erprobungslabor unter wirklichkeitsnahen Bedingungen. Im verdichteten Erfahrungsfeld unter Geschwistern lernen Kinder manches, was sie so nirgendwo sonst lernen können. Geschwister bilden eine Art Zwischenlager, in dem sie sich mit Vorräten ausstatten können und den nächsten Schritt hinein in ein eigenständiges Leben auf der Expedition zum Gipfel des Lebens vorbereiten können.
Lernwerkstatt Geschwister – die Chance eines verdichteten Erfahrungsfeldes Von jeder nur denkbaren Situation zwischen den Geschwistern ausgehend, ist eine unendliche Kette von Experimenten im Sozialverhalten denkbar, die von den Kindern aktiv untereinander erprobt werden kann. Dabei können sich in unterschiedlichen Zusammensetzungen ganz unterschiedliche Bündnisse und ganz unterschiedliche Konstellationen ergeben. Vielleicht erinnern sie sich an solche wechselnden Gruppenbildungen auch noch aus der eigenen Geschwisterzeit?